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s1, d0: Was die Rauch- und Tropfenklassen wirklich aussagen

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s1, d0: Was die Rauch- und Tropfenklassen wirklich aussagen

„B-s1,d0“ steht in der Ausschreibung, und besprochen wird fast immer nur das B. Die beiden Kürzel dahinter laufen mit wie eine Artikelnummer. Dabei steckt in ihnen die Information, die im Ernstfall die Bedingungen auf dem Fluchtweg beschreibt: wie viel Rauch ein Baustoff entwickelt und ob er brennend abtropft. Die Hauptklassen A1 bis F und ihr Verhältnis zu DIN 4102 B1 haben wir im Beitrag über schwer entflammbare Innenbekleidungen bereits sortiert; hier geht es ausschließlich um den Teil hinter dem Bindestrich.

Drei Angaben in einem Kürzel

Eine Klassifizierung nach EN 13501-1 besteht bei Bauprodukten der Klassen A2 bis D immer aus drei Teilen: der Hauptklasse für das Brandverhalten, der Rauchklasse s (smoke) und der Tropfenklasse d (droplets). B-s1,d0 heißt also nicht „Klasse B mit Fußnoten“, sondern: Klasse B im Brandverhalten, beste Stufe bei der Rauchentwicklung, beste Stufe beim brennenden Abtropfen. Drei getrennt bewertete Eigenschaften, drei getrennte Aussagen. Weiter unten in der Skala wird es einsilbiger: Die Klasse E kennt allenfalls noch den Zusatz d2, F gar keinen mehr. Wer nur die Hauptklasse liest, hat zwei Drittel der Auskunft verschenkt.

Wo die Werte herkommen: der SBI-Versuch

Ermittelt werden beide Zusatzklassen im Wesentlichen im SBI-Versuch nach EN 13823, dem „Single Burning Item“. Der Aufbau ist bewusst realitätsnah gewählt: Zwei Prüfkörperflügel bilden eine Raumecke, davor simuliert ein Gasbrenner mit rund 30 kW einen brennenden Gegenstand, etwa einen Papierkorb. Rund zwanzig Minuten lang zeichnet die Anlage auf, wie das Produkt reagiert. Sämtliche Abgase werden über eine Haube abgesaugt, und in diesem Abluftstrom wird auch der Rauch gemessen, über die Schwächung eines Lichtstrahls.

Für die Rauchklasse zählen zwei Größen: die Rauchentwicklungsrate SMOGRA (smoke growth rate) und die Gesamtrauchproduktion TSP in den ersten 600 Sekunden. s1 erhält nur, wer bei beiden unter engen Grenzen bleibt (SMOGRA höchstens 30 m²/s², TSP höchstens 50 m²). s2 lässt ein Mehrfaches davon zu (180 m²/s² beziehungsweise 200 m²). Und s3 ist keine eigene Leistung, sondern das Etikett für alles, was s2 verfehlt: Für die Rauchmenge wurde dann schlicht kein günstigeres Verhalten nachgewiesen.

Die Tropfenklasse entsteht im selben Versuch durch Beobachtung: Fallen innerhalb von 600 Sekunden brennende Tropfen oder Teile ab? d0 heißt keine. d1 heißt keine, die länger als zehn Sekunden weiterbrennen. d2 ist der Rest. Dazu kommt der Kleinbrennerversuch nach EN ISO 11925-2: Entzündet abtropfendes Material dort das Filterpapier unter dem Prüfkörper, gibt es automatisch d2, egal wie gut der SBI-Lauf aussah.

Die Rauchklasse: wichtiger, als ihre Position im Kürzel vermuten lässt

Warum der Rauch eine eigene Klasse verdient, zeigen die Opferzahlen. In der Brandstatistik des britischen Home Office (England, Berichtsjahr 2021/22) ist „overcome by gas or smoke“ mit 32 Prozent die häufigste Todesursache bei Bränden, knapp vor Verbrennungen mit 31 Prozent; seit 2009 führt das Ersticken diese Tabelle fast jedes Jahr an. Der Vorsprung ist klein, die Botschaft trotzdem klar: Wer Fluchtwege plant, plant gegen Rauch mindestens so sehr wie gegen Flammen.

Was das konkret bedeutet, kennt jede Brandschutzunterweisung: Ein Flur voller dichtem Rauch ist auch dann unpassierbar, wenn die Flammen noch zwei Räume entfernt sind. Die Sicht fällt aus, die Orientierung fällt aus, und mit jedem Atemzug sinkt die Fähigkeit, überhaupt noch zu handeln. Die Rauchklasse ist der Versuch der Norm, genau diesen Faktor am Produkt messbar zu machen, bevor er im Gebäude Wirklichkeit wird.

Genauso wichtig ist, was die Rauchklasse nicht misst. s1 bewertet Menge und Dichte des Rauchs im Prüfstand, nicht seine Zusammensetzung; eine Toxizitätsklasse kennt die EN 13501-1 für Bauprodukte nicht. Zwei Produkte mit identischem B-s1,d0 können im Brandfall also sehr unterschiedliche Gase freisetzen. Für Dekorfolien ist das der entscheidende Punkt. Weich-PVC verdankt sein günstiges Verhalten im Brandversuch zu einem guten Teil dem Chlor im Molekül: Es hemmt die Flamme, und dieser Flammschutz ist ein realer, ehrlich anzuerkennender Vorteil. Dieselbe Chemie liefert bei thermischer Zersetzung aber Chlorwasserstoff, ein korrosives Reizgas, das die Flucht behindert; im Beitrag über Chlorwasserstoff im Brandrauch haben wir diese Doppelrolle im Detail beschrieben. Zur Ehrlichkeit gehört auch die Gegenrichtung: PVC-frei heißt nicht rauchfrei. Auch PVC-freie Kunststoffe wie Polypropylen und PET erzeugen beim Brennen Rauch und Kohlenmonoxid; was entfällt, ist der chlorgebundene Pfad zum Reizgas. Kurz gesagt: Die s-Klasse beantwortet die Frage „Wie viel Rauch?“, die Materialfrage beantwortet „Was für ein Rauch?“. Für die Planung braucht man beide Antworten.

d0 ist kein Detail

Brennendes Abtropfen klingt nach einer Randnotiz, ist aber ein eigener Ausbreitungsmechanismus. Thermoplastische Materialien erweichen in der Hitze, und brennende Tropfen tragen das Feuer dorthin, wo es noch nicht war: auf den Bodenbelag, auf Lagergut, im schlimmsten Fall auf Menschen, die unter einer brennenden Decke entlangfliehen. Ob eine Schmelze brennend abtropft oder nicht, entscheidet sich im Versuch, nicht im Datenblatt-Marketing. Deshalb taucht in deutschen Anforderungstexten für Decken und Rettungswege die Formulierung „nicht brennend abtropfend“ auf; im Euroklassen-Kürzel ist genau das die d0. Bei einer Wand- oder Deckenfolie, also einem dünnen, flächigen Produkt über Kopf oder direkt am Fluchtweg, ist die Tropfenklasse deshalb keine akademische Größe.

Lesen in der Praxis: der Klassifizierungsbericht

Der wichtigste Rat zuerst: Verlassen Sie sich nicht auf die eine Zeile im Prospekt, sondern fordern Sie den Klassifizierungsbericht nach EN 13501-1 an. Dort steht nicht nur die Klasse, sondern auch, woran sie hängt: der geprüfte Aufbau. Eine Klassifizierung gilt für das System, das im SBI stand, bei einer Klebefolie also für die Kombination aus Folie, Kleber und Trägerplatte. Ein „B-s1,d0“ ohne Angabe des Untergrunds ist eine halbe Information; dieselbe Folie auf einem anderen Träger kann anders abschneiden.

Und lesen Sie das Kürzel vollständig. B-s1,d0 und B-s3,d2 tragen denselben Buchstaben und sind im Ernstfall zwei verschiedene Produkte; wer in einer Ausschreibung nur „Euroklasse B“ schreibt, bekommt formal auch das zweite angeboten, ohne dass ein Fehler vorläge. Auf dem Markt für Dekorfolien gibt es sowohl s1- als auch s2-Klassifizierungen, und beide firmieren im Gespräch gern pauschal als „Klasse B“. Nennt die Ausschreibung die Zusatzklassen explizit, ist der Fall klar. Verwendet sie nur bauordnungsrechtliche Begriffe wie schwer entflammbar, läuft die Zuordnung über die technischen Baubestimmungen, und diese Zuordnung kann je nach Einbausituation eine bestimmte Tropfenklasse einschließen. Wer diese Frage früh klärt, erspart sich die Diskussion auf der Baustelle. Die eine Ziffer hinter dem s kostet in der Ausschreibung eine Zeile. Im Gebäude entscheidet sie über Sichtweite in Metern.

Wo YEILDECO steht: die ehrliche Einordnung

Wir sind Vertriebspartner (nicht Hersteller) einer schwer entflammbaren, PVC-freien Dekorfolie aus Korea. Das Material trägt ein koreanisches KFI-Zertifikat als schwer entflammbar. Das koreanische Prüfregime arbeitet allerdings anders als der SBI mit seiner Ecken-Geometrie und der Rauchmessung im Abluftstrom: mit dem Cone-Kalorimeter nach KS F ISO 5660-1, das die Gesamtwärmefreisetzung über zehn Minuten begrenzt, und, bemerkenswerterweise, mit einem eigenen Versuch zur Schädlichkeit der Brandgase, also genau dem Aspekt, den die EN 13501-1 für Bauprodukte nicht klassifiziert. Eine Zuordnung zur Euroklasse ist deshalb nur als „entspricht in etwa B-s1,d0“ seriös. Und ganz klar gesagt: Das koreanische Zertifikat ersetzt keinen Klassifizierungsbericht nach EN 13501-1. Wer für sein Projekt den EN-Nachweis braucht, sollte das früh ansprechen; eine Prüfung nach europäischem Verfahren lässt sich für konkrete Projekte anstoßen.

Welche Nachweise aktuell vorliegen, zeigt die Übersicht der Zertifikate; wie sich die Prüfnormen der wichtigsten Märkte zueinander verhalten, die Normenübersicht. Und wenn Sie für eine konkrete Ausschreibung wissen wollen, welcher Weg zum EN-Nachweis führt: Sprechen Sie uns direkt an.

Solange in den Brandstatistiken das Ersticken vor den Verbrennungen steht, verdient die kleine Ziffer hinter dem s mindestens so viel Aufmerksamkeit wie der große Buchstabe davor.

YEILDECO

Schwer entflammbare, PVC-freie Dekorfolie

Schwer entflammbare (KFI-zertifiziert), PVC-freie Interior-Folie aus Korea. Wir freuen uns über Händler- und Exportanfragen.